Tag 19

Die Maramureș (deutsch: Maramuresch) ist eine historische Region im äußersten Norden Rumäniens an der Grenze zur Ukraine. Sie gilt als eine der am besten erhaltenen Kulturlandschaften Europas. Jahrhundertealte ländliche Traditionen werden hier bis heute lebendig gehalten. Zahlreiche Klöster und Kirchen entlang der Strecke laden zum Verweilen ein. Unser heutiges Ziel der „Fröhliche Friedhof“ in Săpânța.

Zuvor besuchten wir noch das Kloster Săpânța-Peri (Mănăstirea Săpânța-Peri). Es liegt nur wenige Kilometer vom Fröhlichen Friedhof entfernt in einem ruhigen Eichenpark und beherbergt eine der beeindruckendsten Holzarchitekturen Europas.
Die Hauptkirche des Klosters ragt rund 78 Meter in den Himmel. Das Turmkreuz allein ist bereits 7 Meter hoch.
Das Bauwerk wurde vollständig aus Eichen- und Fichtenholz errichtet – nach traditioneller Zimmererkunst der Maramureș, bei der die Holzbalken präzise ineinandergefügt wurden.
Heute ist Săpânța-Peri ein aktives Nonnenkloster. Während der Fröhliche Friedhof im Dorfzentrum oft sehr belebt ist, bietet das Kloster mitten im Grünen einen friedlichen, besinnlichen Ort der Ruhe.

Die griechisch-katholische Gemeinde in Săpânța (Biserica Greco-Catolică Săpânța) verbindet eine enge, aber auch konfliktreiche Geschichte mit dem berühmten Fröhlichen Friedhof und der zentralen Dorfkirche.
Verbot im Kommunismus:

(1948): Als das kommunistische Regime in Rumänien 1948 die rumänische griechisch-katholische Kirche verbot und auflöste, wurden sämtliche Kirchengebäude und Besitztümer per Dekret der rumänisch-orthodoxen Kirche übergeben. So übernahm die orthodoxe Gemeinde auch das Gebäude im Zentrum von Săpânța. Der Streit um die Rückgabe: Nach dem Ende des Kommunismus (1989) formierte sich die griechisch-katholische Gemeinde neu und forderte ihre historische Kirche samt Friedhof gerichtlich zurück. Um die Nutzung der Kirche entbrannte ein jahrzehntelanger, emotional geführter Rechtsstreit im Dorf. Da die Rückgabe der alten Friedhofskirche juristisch feststeckte und die Gemeindemitglieder einen eigenen Ort für Gottesdienste benötigten, traf die griechisch-katholische Gemeinde eine Entscheidung:
Neues Gotteshaus: Nur wenige hundert Meter vom Fröhlichen Friedhof entfernt wurde eine eigene, neue Holzkirche erbaut. Sie fügt sich im traditionellen Maramureș-Holzbaustil harmonisch in die Landschaft ein.

Greco-Catolica-Sapanta

Altarraum

Nașterea Maicii Domnului“

Die Kirche „Nașterea Maicii Domnului“ (Mariä Geburt) ist das zentrale Gotteshaus in Săpânța und steht in unmittelbarer Verbindung mit dem Fröhlichen Friedhof, da sich dieser direkt auf dem Kirchhof rund um das Gebäude erstreckt.  Standort im Zentrum des Friedhofs: Wer den Fröhlichen Friedhof besucht, blickt direkt auf dieses Kirchengebäude. Die bunten Holzkreuze kreisen das Bauwerk von allen Seiten ein.   Die Steinkirche wurde Ende des 19. Jahrhunderts (um 1886) erbaut. Im Gegensatz zu den extrem hohen, traditionellen Reine-Holzkirchen der Maramureș vereint sie massive Bauweise mit klassischer rumänisch-orthodoxer Sakralarchitektur. 

Besonders auffällig ist das Dach der Kirche, das mit bunt gemusterten, glasierten Ziegeln eingedeckt ist. Diese geometrischen Muster harmonieren optisch perfekt mit den lebhaften Farben und Schnitzereien der umgebenden Grabkreuze.

Der "Fröhliche Friedhof"

Er ist weltweit einzigartig, weil er den Tod nicht mit düsterer Trauer verarbeitet, sondern mit bunter Volkskunst, Humor und Lebensfreude.  Fast alle der über 800 Grabkreuze sind in einem charakteristischen, kräftigen Blauton gehalten, der als „Săpânța-Blau“ bekannt ist. Es symbolisiert Hoffnung, Freiheit und den Himmel.

Jedes Kreuz zeigt eine geschnitzte, farbenfrohe Abbildung. Sie stellt die verstorbene Person bei ihrer typischen Arbeit dar (z. B. als Hirte, Lehrer, Bäcker oder Hausfrau) oder zeigt den Moment ihres Todes (z. B. durch einen Unfall).

Unter dem Bild befindet sich ein kurzes, in Mundart geschriebenes Gedicht in der Ich-Form. Die Texte erzählen ehrlich, manchmal schonungslos, aber immer humorvoll aus dem Leben des Verstorbenen – inklusive Marotten, Trinksitten oder Schwiegermutter-Konflikten.

Die Tradition begann 1935 mit dem lokalen Holzbildhauer Stan Ioan Pătraș. Er fing an, persönliche Grabkreuze zu schnitzen und kurze Verse darauf zu verfassen. Seine Philosophie wurzelte auch in der dakischen Kultur (den Vorfahren der Rumänen), in der der Tod nicht als schreckliches Ende, sondern als Übergang in ein besseres Leben gefeiert wurde.Nach Pătraș’ Tod im Jahr 1977 führte sein Schüler Dumitru Pop Tincu das Handwerk fort und schaffte es, die Tradition lebendig zu halten.